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En asteckendi Gsundheit
Nach mehrjährigem Unterbruche bringt unser Heimatschutztheater wieder einmal ein Stück der heiterbeschwingten Muse zur Aufführung,
nachdem wir mit unsern frühern abendfüllenden Lustspielen Ds Schmocker Lisi, Früehlig im Buechehof und D Familie Schlumpf unsern vielen Freunden immer grosse Freude bereitet haben und bei uns wiederholt der Wunsch geäussert wurde, wieder einmal ein Lustspiel in Szene zu setzen. Zur Aufführung gelangt die dreiaktige Dialektkomödie En asteckendi Gsundheit des vom Berner und Aargauer Heimatschutztheater mit Preisen ausgezeichneten Autors Jakob Stebler.
Diese entzückende Dialektkomödie bedeute zugleich dessen anerkannt beste bisherige Leistung auf dramatischem Gebiet. Sie gelangte im Stadttheater Zürich zur Uraufführung, wurde in den Stadttheatern St. Gallen und Luzern gespielt und schon in den ersten Wochen in süddeutschen und Wiener Dialekt übertragen. Die bekannte Exl-Bühne brachte es am Wiener Bürgertheater über dreissig Mal zur Aufführung, ein Beweis, dass die Arbeit schweizerischer Autoren auch im Auslande gewürdigt wird.
Um was handelt es sich? Die Fabel ist unkompliziert. Ein alter Griesgram von eingebildetem Kranken wird durch seine Enkelin körperlich und vor allem seelisch geheilt. Wie sie das aber tut, und welch reizende Schelmenhaftigkeit in diesem Mädchen lebendig ist, das mit seiner urwüchsigen Gesundheit und Fröhlichkeit nicht nur die Personen auf der Bühne, sondern auch das Publikum ansteckt, das wollen wir als Geheimnis dieser beglückenden Komödie nicht ausplaudern.
Denn der Titel ist kein Witz. Im Mittelpunkt des Geschehens steht ein gesundes, quicklebendiges Mädel mit goldigem Charakter, das mit seiner Fröhlichkeit, seiner Heiterkeit, seiner bejahenden Einstellung zum Leben überhaupt einen frischen Wind in eine Gesellschaft sich alt und krank fühlender Hypochonder hineinbläst und mit ihrer strotzenden Gesundheit nicht nur ihre Gegenspieler auf den Brettern, nein, wahrhaftig auch das Publikum ansteckt.
Ein Frechdachs von einer Krankenpflegerin, herrlich unbekümmert um sogenannte Manieren, die ihre Patienten hintereinanderhetzt, um sie erst ihre körperlichen Gebrechen vergessen zu lassen, und die, wenn der Augenblick da ist, als feine Seelenkennerin zerrissene Fäden wieder knüpft, um zwei prächtige Menschen zusammen zu bringen, die an ihrer Feindschaft litten. Und das tut sie in einer Szene von ganz grossem Format, in einer Art und Weise, die ans Herz greift und doch von entzückendem schelmischem Humor übersonnt ist.
Das Stück ist in erster Linie nicht nur ein Lachschlager, es birgt viel Nachdenklichkeit in sich, ohne im geringsten sentimental zu wirken, es greift an die feinen Saiten des Gemüts, tut dies aber auf so unterhaltsame Art, dass der Zuschauer oft nicht weiss, ob er seine Tränen gelacht oder geweint hat.
Paul Loosli
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